Elternwerkstatt
05.05.2017 | Erziehungstipps

DER Geheimtipp gegen Trotzreaktionen

Was tun, wenn der geplante Famlienausflug vom Kind "boykottiert" wird? Unsere Elterntrainierin Michaela Nikl hat da so ihre Erfahrungen....

Erziehungstipp von Michaela Nikl

Am Dienstag habe ich wieder gelernt, dass aktives Zuhören wirklich nützt! Mein Sohn war bisher ferienbedingt ein paar Tage bei seinem Papa im südlichen Niederösterreich und die letzten Tage bei meinen Eltern, da ich arbeiten war.

Gestern war zufällig sein Großcousin da und es war spontan geplant, gemeinsam auf die Skaterbahn mit dem Auto zu fahren. Schon bei meiner Ankunft erwartete mich ein extrem bockiges Kind, das unkooperativ darauf beharrte mit dem Skateboard direkt die 2 Kilometer zur Bahn zu fahren und das auch lieber nur mit mir alleine. Ich muss zur seiner Verteidigung sagen, dass es so am Vortag ausgemacht war und mein Sohn dann ziemlich unflexibel wird, wenn er sich schon auf etwas vorbereitet hat und es dann doch anderes abläuft!

Von wem er das wohl hat? 

Schwierig war in dieser Situation, dass ich unter Beobachtung der Familie stand und von mir als Elterntrainerin - nach meiner eigenen Mutmaßung - erwartet wurde, in diesem Fall besonders pädagogisch wertvoll zu reagieren.

Also versuchte ich ruhig zu bleiben, nach meiner Erfahrung schaltet mein Kind nämlich auf stur, wenn ich meine Stimme erhebe und von ihm etwas verlange, was er nicht will. Somit versuchte ich herauszufinden, was hinter seiner Trotzreaktion steckte. Ich wiederholte wortwörtlich seine Aussagen, wie: „Ich will aber mit dem Skateboard hinfahren!“ und nach mehrmaligem Hin und Her, kam der Satz: „Und dann will ich gleich nach Hause fahren!“ und er drückte sich innig an mich.

Da ging mir ein Licht auf! „Aha, Du willst wieder zu Hause schlafen, weil Du die letzten Tage nicht daheim warst!“. Mein Kind nickte glücklich und dann war alles kein Problem. Wir konnten mit dem Auto zur Skaterbahn, von seiner Bockigkeit war keine Spur mehr und die restliche Ferienbetreuung ist dank meiner Nachbarin abgedeckt, somit alles gut!

Daher mein Tipp: aktives Zuhören ist das Um und Auf, wenn Dein Kind ein Problem hat, auf stur schaltet, weinerlich oder sehr wortkarg ist und trotzig reagiert.

Hier ein Beispiel, wie es gehen kann, z.B. wenn das Kind partout nicht in den Kindergarten gehen mag (uns vor 3 Jahren passiert):

Mama (M): „Aha, Du magst nicht in den Kindergarten gehen?!“ Pause!!!

Kind (K): „Ja, weil die Spiele alle so fad sind!“

M: „Die Spiele im Kindergarten sind alle so fad?!“

K: „Ja, früher habe ich mit dem André und dem Niki gespielt. Aber die sind jetzt nicht mehr da!“

M: „Ah so, der André und der Niki sind nicht mehr da, weil sie schon in die Schule gehen und Dir ist fad, weil Du sonst immer mit ihnen gespielt hast?“

K: „Ja, es sind nur noch die Kleinen da, die Großen sind alle weg.“

M: „Du bist jetzt traurig, weil die großen Kinder weg sind? Du hast jetzt überhaupt niemanden mehr zum Spielen?“

K: „Aber ich spiele gerne mit dem Leander!“

M: „Ah - Du spielst gerne mit dem Leander. Was spielst Du am liebsten mit Leander?“

K: „Am liebsten spielen wir in der Sandkiste und graben einen Tunnel.“

M: „Dann zieh Dich jetzt an, Leander ist sicher schon im Kindergarten und wartet schon auf Dich!“

Zusätzlich stärkt aktives Zuhören den Selbstwert Deines Kindes, es fühlt sich angenommen, geliebt, verstanden und auch kompetent genug seinen Standpunkt zu vertreten oder eine Lösung zu finden.

  

Ing.in Michaela Nikl
Elterntrainerin und Landesvertreterin der Elternwerkstatt für NÖ
Supervisorin, dipl. Lernberaterin, dipl. Lebens- und Sozialberaterin
3430 Tulln, Königstetter Str. 48-56/5/1
Tel.: +43 (0)664 38 652 38
e-mail: office(at)lebenszeichen.biz

 

Weitere Erziehungstipps finden Sie in ihrem E-Book "7 Tipps aus meinem Familienalltag", das Sie kostenlos bei der Elternwerkstatt erhalten können. Wir danken Michaela Nikl für diese wertvolle Spende!

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