Elternwerkstatt
17.10.2017 | Erziehungstipps

Pubertätskrisen und Elternkonflikte

Tamara, 14, lässt sich von ihrer Mutter nichts mehr sagen: Sie geht nicht zur Schule, lässt sich mit Burschen ein, bleibt über Nacht weg. Die Mutter ist verzweifelt, das Krisenzentrum wird eingeschaltet, Tamara verbringt dort einige Wochen, kehrt wieder nach Hause zurück, die Situation wiederholt sich. Niemand hat Einfluss auf Tamara, überall eckt sie an. Wie Tamara geholfen werden kann, ist ein eigenes Kapitel. Ich möchte in diesem Beitrag die Situation ihrer Freundin Tina beschreiben.

Tina will Tamara retten
Nur ihre gleichaltrige Schulkameradin Tina sieht in ihr eine Heldin. Sie klaut ihren Eltern Geld, weil Tamara ihr Handy verloren hat. Die Eltern Tinas sind besorgt und befürchten schlechten Einfluss. Trotzdem wollen bzw. können sie ihrer Tochter nicht den Kontakt zu Tamara verbieten.

Pubertäts- und Ehekrise
Eines Morgens ist Tina verschwunden. Wo hat sie die Nacht verbracht? Der Vater ist außer sich und beschuldigt seine Frau: „Ich war dagegen, dass du sie in diese Schule gibst. In der, die ich ausgesucht habe, hätte sie Kinder wie Tamara nie kennen gelernt!“ Dieses Thema hat schon oft für Konflikte zwischen den Eltern gesorgt. Wenn der Vater tobt, stellt sich die Mutter schützend vor Tina, was den Vater noch wütender macht.

Im Lauf des Vormittags (schulfrei) kehrt Tina zurück. Sie war früh morgens mit Tamara spazieren. Erleichterung. Was aber wird als nächstes passieren? Die Eltern haben schon oft versucht, vernünftig mit Tina und Tamara zu reden. Doch scheinen alle gut gemeinten Worte abzuprallen. Tina will Tamara „retten“ und sich mit ihr solidarisch zeigen,  indem sie sich gegen die Gesellschaft stellt.

Verantwortung nicht abnehmen, wechselseitige Schuldzuweisungen vermeiden
Ich empfehle der Mutter, Tina nicht die unangenehme Situation zu ersparen, sich persönlich bei ihrem Vater zurück zu melden. Und dem Vater zeige ich Werkzeuge, mit seinem Zorn umzugehen. Durch Schreiereien und Moralpredigten wird er den Draht zu Tina nicht wieder herstellen können. Denn nur, wenn dies gelingt, wird sie wieder auf ihn hören.

Vorsicht, Teufelskreis!
Je mehr der Vater schreit, umso mehr schützt die Mutter. Je mehr die Mutter schützt, umso mehr tobt der Vater. Die Eltern können mit Unterstützung von ExpertInnen aus diesem Teufelskreis heraustreten und in die Zukunft schauen. Schulwahl: wie auch immer man dazu stehen mag, die Eltern können die Zeit nicht zurück drehen. Was auch immer schief gelaufen sein mag, durch Vorwürfe wird es nur noch schlimmer. Was Tina jetzt dringend braucht, sind Eltern, die fair miteinander umgehen und eine gemeinsame Linie vertreten.

Gerade wenn es schwierig ist: mit dem Herzen zuhören und klare Vereinbarungen treffen
Die Lösung ist, wenn die Eltern den Dialog mit Tina suchen. Nicht indem sie auf sie einreden, sondern indem sie vor allem zuhören. Sie können durchaus auch Rechenschaft von Tina verlangen und Regeln vereinbaren. Sie muss fragen, wenn sie das Haus verlässt, oder zumindest Nachricht hinterlassen. Beim Schlafengehen werden Laptop und Handy im Wohnzimmer deponiert, damit Tina nachts nicht durch SMS von Tamara gestört wird. Aber wie wäre es, man würde gemeinsam überlegen, wie man Tamara helfen kann? Dann werden ihre Eltern für Tina zu Verbündeten, statt zu Gegnern.

Gerade in Krisensituationen ist es nicht leicht, vernünftig zu reagieren, auch wenn man gerade dann die Vernunft so dringend braucht. Wenn Eltern dies nicht schaffen, wie wollen sie es von ihren Kindern erwarten?

   Mag. Maria Neuberger-Schmidt
Lebens- und Erziehungsberatung, Vorträge, Seminare,
Beratung gem. §95 Abs.1 und § 107 Abs.3 Z1 AußStrG.
Gründerin Verein Elternwerkstatt, Urheberin ABC-Elternführerschein®, Autorin
1230 Wien, Altmannsdorfer Straße 172/31/2
Tel.: +43 (0)676/4155538
e-mail neu:
maria.neubergerschmidt(at)gmail.com

Aktuelles